Chancen für Flüchtlinge und Aufnahmeländer - Katholische Institutionen in Jordanien begrüßen KAAD-Drittlandstipendien

Mit großer Zustimmung sieht die katholische Kirche in Jordanien dem Aufbau eines regionalen KAAD-Drittlandprogramms entgegen, das Flüchtlingen und Aufnahmeländern Zukunftschancen eröffnen soll. Es richtet sich an Studierende, die an jordanischen Universitäten einen Masterabschluss machen möchten. Das Programm soll neben syrischen und irakischen Flüchtlingen auch jordanischen Sektorexperten/innen in Fachbereichen offen stehen, die einen besonderen Beitrag zur Bewältigung der Flüchtlingskrise leisten können. Durch diesen inklusiven Ansatz, verbunden mit lokalen Begegnungs- und Bildungsangeboten, sollen Brücken zwischen Flüchtlingen und ihrer Aufnahmegesellschaft geschlagen werden.

American University of Madaba (AUM)

Blick in die Bibliothek der AUM

 

Der Lateinische Weihbischof Dr. Maroun Lahham betonte im Gespräch mit KAAD-Referatsleiterin  Dr. Christina Pfestroff die Kooperationschancen mit der American University of Madaba (AUM), der einzigen kirchlichen Hochschule im Land. Die Hilfsorganisation Caritas Jordan sagte organisatorische Unterstützung bei der Vorauswahl von Kandidaten/innen für die Studienmöglichkeiten an jordanischen Hochschulen zu. Im Rahmen des KAAD-Besuchs erfolgten außerdem Konsultationen mit der jordanischen Ländervertretung des UN-Flüchtlingswerks UNHCR, dem DAAD, der Deutschen Botschaft Amman, der German Jordanian University sowie katholischen Hilfswerken, die ihren spezifischen Schwerpunkt auf Flüchtlingsarbeit im Nahen Osten haben (Jesuite Refugee Service, Pontifical Mission).

Bei der KAAD-Seminarveranstaltung „Cultures of Diversity“ am 29. Mai 2015 wurde lebhaft diskutiert, inwieweit das Königreich Jordanien trotz der Belastungsprobe durch die Präsenz von mindestens 1,2 Millionen Flüchtlingen und die Destabilisierung seiner Nachbarländer durch extremistische Gewaltakteure weiterhin ein regionales Rollenmodell für den Respekt religiös-kultureller Vielfalt bleiben kann. An der KAAD-Kooperationsveranstaltung, die im Catholic Center for Studies and Media (CCSM) in Amman stattfand, nahmen 30 KAAD-Alumni und Gäste teil.

Omar Abawi, Program Manager bei Caritas Jordan, skizzierte in seinem Vortrag die Herausforderungen der Arbeit mit Flüchtlingen im Land und legte dabei einen besonderen Fokus auf den Bildungssektor.

Als Hauptreferentin durften die Veranstalter beim Seminar Frau Dr. Majeda Omar, die Direktorin des Royal Institute for Interfaith Studies in Amman, begrüßen. Frau Dr. Omar lehrt Philosophie an der University of Jordan und ist auf religionsphilosophische Fragestellungen und islamisches Denken spezialisiert. Im Namen seiner Königlichen Hoheit HRH Prinz Hassan Bin Talal referierte sie die Programmatik des Königshauses im Blick auf religiöse Vielfalt im Haschemitischen Königreich.


Vorne: Frau Dr. Majeda Omar (RIIFS) und F. Rif’at Bader (CCSM)

 

Anhand koranischer Belegstellen arbeitete der von ihr eingebrachte Vortrag heraus, dass „Pluralität Teil des göttlichen Plans“ sei. Die tragischen Entwicklungen in der Region dürften nicht den Blick dafür verstellen, dass die Religionsgemeinschaften überwiegend einen positiven Beitrag zur Förderung zwischenmenschlicher Solidarität leisteten. Gläubige, die von der Überlegenheit der eigenen Religion überzeugt seien, müssten dies durch die „Überlegenheit guter Taten“ erweisen, vor allem in zentralen bürgerschaftlichen Handlungsfeldern wie Armutsbekämpfung, Friedensförderung und Umweltschutz. Auf diesen wichtigen „Feldern der Übereinstimmung (areas of convergence)“ könnten Bürger/innen aller Religionszugehörigkeiten einen wertvollen Beitrag zur Förderung des Gemeinwohls leisten und den „Reichtum der Vielfalt“ zum Ausdruck bringen.

Der Leiter des CCSM, Father Rif’at Bader, erinnerte daran, dass auch Papst Franziskus gesellschaftliche Diversität als bereichernde „Vielfalt der Geistesgaben“ interpretiere und eine „Kultur der Begegnung“ in gegenseitigem Respekt anmahne.


Dr. Zeyad Makhamreh (Mitte) mit Ehefrau und Dr. Emad Galanzeh

 

Während über die Bedeutung dieses positiven Leitbilds breite Übereinstimmung zwischen den Teilnehmenden herrschte, wurde kontrovers darüber diskutiert, ob die volle Anerkennung religiöser Vielfalt in Jordanien aufgrund der langen Geschichte multireligiöser Koexistenz bereits gegeben sei und lediglich bewahrt werden müsse – so die These von Dr. Majeda Omar –, oder ob sie eine Zukunftsherausforderung für das Land darstellt.


DeutschEnglisch

Marcela Bustamante Torres (Kolumbien)

Marcela Bustamante hat in ihrer Heimatstadt Bogotá Jura studiert und vor dem Studienaufenthalt in Deutschland als Anwältin gearbeitet. Von 2006 bis 2008 absolvierte sie mit Unterstützung des KAAD das Masterprogramm „Interdisziplinäre Lateinamerikastudien“ an der Freien Universität Berlin. Nach beruflichen Tätigkeiten in Washington D.C. und Lima (Peru) kehrte sie 2012 nach Bogotá zurück, wo sie heute für die „Defensoría del Pueblo de Colombia“ tätig ist – eine staatliche, jedoch autonom arbeitende Institution zur Verteidigung und Verbreitung der Menschenrechte.

Darüber hinaus gehört sie zu den Organisatoren des für Februar 2016 geplanten Kongresses „Paz Reconciliación y Justicia Tradicional“ an der Pontificia Universidad Javeriana in Bogotá. Am Rande der Veranstaltung soll nach Wünschen unserer Alumni auch ein KAAD-Netzwerk von Juristen und Politikwissenschaftlern aus Lateinamerika gegründet werden.

mehr 



Sitemap         Kontakt         Impressum