Katholischer Akademischer Ausländer-Dienst
Hausdorffstr. 151
53129 Bonn
+49 228 917580
© KAAD 2012
Aktualisiert: 19.03.12
Globale Klimagerechtigkeit: Emissionshandel und Energieeffizienz als Schlüssel
Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Prof. Dr. Johann Bienlein und Prof. Dr. Michael Reder diskutieren mit KAAD-Stipendiaten in Erfurt über „Klimawandel und erneuerbare Energien. Fazit der Gespräche: Ein weltweiter Emissionshandel und eine Revolution bei der Energieeffizienz sind die Schlüssel, um die globale Klimaerwärmung zu drosseln und irreversible Folgen des Treibhauseffekts, die insbesondere die Armen weltweit bedrohen, abzuwenden.
Im Zentrum des KAAD-Seminars vom an dem Stipendiaten/innen aus allen fünf Partnerregionen teilnahmen, stand der aktuelle Bericht „Global aber gerecht: Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen“, der von Misereor und der Münchener Rück Stiftung in Auftrag gegeben und im September 2010 veröffentlicht wurde. Darin entwickeln das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und das Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie (IGP) in München einen „Global Deal für Klima und Entwicklung“.
„Klimapolitik und wirtschaftliche Entwicklung, die auch die Armen erreicht und beteiligt, schließen sich nicht aus“, betonte Mitautor Professor Dr. Michael Reder im Austausch mit den Stipendiaten/innen des KAAD. Ganz im Gegenteil: Der vorgeschlagene „Global Deal für Klima und Entwicklung“ denke gerade die zentralen Ansatzpunkte Emissionshandel, Waldschutz, Technologietransfer, Anpassungshilfe und Entwicklungspolitik zusammen. Globaler Emissionshandel, so Reder, beruht auf einer bestechend einfachen Idee und kann gleichsam zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wenn sich die internationale Gemeinschaft darauf verständigt, weltweit nur noch eine begrenzte Gesamtmenge an Treibhausgas-Ausstoß zuzulassen, müssen die Länder mit hohem CO2-Ausstoß bei den weniger entwickelten Ländern Emissionsrechte einkaufen. Dadurch entstünde ein Finanztransfer von Nord nach Süd, der – wenn er von der Zivilgesellschaft klug begleitet wird – große Entwicklungschancen für benachteiligte Länder bereit hält. Gleichzeitig würde es für die Industrieländer teuer, ihren kohlenstoffintensiven Produktions- und Konsumstil aufrecht zu erhalten. Dies wäre ein starker Anreiz für technologische Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energien und der Ressourcenproduktivität.
Der Beitrag der erneuerbaren Energien zum Klimaschutz sei unbestritten, dürfe aber, so Professor Dr. Johann Bienlein in seinem Vortrag, „nicht überschätzt“ werden. Zwar habe Deutschland mit seinem Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien einen Standard gesetzt, der von vielen Ländern aufgegriffen worden sei. Aber die Strommenge, die aus Sonnenenergie, Wind- oder Wasserkraft gewonnen werden kann, so der Physiker, schwanke im Tages- und Jahresverlauf beträchtlich. Demnach bestehe die eigentliche Herausforderung darin, die hohen Investitionen für den Ausbau der Versorgungsnetze sowie intelligente Steuerungs- und Speicherungssysteme aufzubringen. Die Risiken von Großlösungen zur Speicherung von Kohlendioxid (CCS), die bisweilen als Wunderwaffe zur Reduktion von Treibhausgasen gehandelt werden, müssten sorgfältig geprüft werden.
Wir brauchen deshalb neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien, so Professor Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker in seinem engagierten Plädoyer zum Abschluss der Veranstaltung, eine „Effizienzrevolution“. Durch intelligente Lösungen in unterschiedlichen Technologiebereichen könne man es bereits heute schaffen, aus einem Fass Erdöl bis zu fünfmal so viel Wohlstand heraus zu holen. Um diesen „Faktor Fünf“ – so auch der Titel seines aktuellen Berichts an den Club of Rome – zu erreichen, müsse das Rad nicht neu erfunden werden. Vielmehr verwies von Weizsäcker darauf, dass sich in den Bereichen Mobilität (etwa durch Ausbau von Schnellbahnnetzen und Einsatz von Videokonferenzen) oder Bauen und Wohnen (z.B. durch Verwendung recyclingfähiger Baumaterialien und Passivhausstandards) bereits mit heutiger Technik enorme Treibhausgas-Einsparungen erzielen lassen. Was bislang fehle, sei ein Anreizsystem für klimafreundliches Investieren und Konsumieren: „Wir müssen politisch dafür sorgen, dass die Preise die ökologische Wahrheit sagen“, so von Weizsäcker. Konkret: Mit jeder Effizienzsteigerung sollten die Energiepreise stufenweise erhöht werden. Das Beispiel Japan zeige, dass die Verteuerung von fossilen Energieträgern kein Standortnachteil sei, sondern zum Innovationsmotor werden könne. Jedes Land müsse – unabhängig vom Fortschritt der internationalen Klimaverhandlungen – hier seine Hausaufgaben machen, so von Weizsäcker. „Wir sollten nicht auf die angelsächsischen Länder warten.“
KAAD-Alumni heute

Dominic Ko Ko Lwin (Myanmar)
Als der Zyklon Nargis im April 2008 auf Myanmar traf und dort mit über 84.000 Toten und Hunderttausenden Obdachlosen eine humanitäre Katastrophe hinterließ, war es unter anderem Dominic Ko Ko Lwin, KAAD-Alumnus, der eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau spielte. In seiner Tätigkeit als Programmkoordinator für die Caritas Pathein war er laut Caritas Direktor Father Henry Eikhlein „von größter Bedeutung für den Erfolg des Rehabilitationsprojekts“.





