Katholischer Akademischer Ausländer-Dienst
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Aktualisiert: 16.07.10
Globale Mächte und Gewalten: Wer steuert die Welt?
Jahresakademie des KAAD debattierte über „Weltzivilgesellschaft“ und „Global Governance“
Die 24. Jahresakademie führte vom 22.-25. April 2010 218 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus 57 Ländern, nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen und verschiedenen Religionen sowie 57 Gäste in Bonn (Haus Venusberg) zusammen – ein idealer „Spielraum“, um multi-perspektivisch ein so komplexes Thema wie die „Steuerung“ der Welt zu analysieren, aber auch um ein gelungenes Miteinander in pluraler Gemeinschaft zu erfahren und zu feiern.

Die Anspielung des Titels auf das Ordinarium Missae („Gott, Herr aller Mächte und Gewalten“ im Sanctus) sollte andeuten, dass mit der Frage nach einer „Weltregierung“ die menschliche Steuerungsmacht nicht in einer schlecht-utopischen Weise überzogen werden dürfe. Die lebhaften Diskussionen ließen beim internationalen Publikum keineswegs eine Resignationshaltung erkennen, die angesichts krisenhafter Einbrüche – wie in der Finanzwirtschaft – ohnmächtig anonyme, sich scheinbar selbst steuernde Mächte und Strukturen beschwören könnte; in allen Sektoren, die in den Foren analysiert wurden: Markt, Zivilgesellschaft, Medien/Internet, Welt der Religionen wurde die Verantwortung und die Werteorientierung der Akteure aufgewiesen und eingefordert.

Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion mit den Vertretern der Foren stand die Zivilgesellschaft und ihre Versuche, sich auf Weltebene zu organisieren, Mitgestaltungsräume zu eröffnen. Wie bei allen Ansprüchen einer globalen (Mit-)Steuerung ist allerdings auch hier nach der Legitimität und der Wertebindung kritisch zu fragen. Was die Religionen als potenzielle und dringend gefragte „Friedensmächte“ angeht, so wurde deutlich, dass ein solches Wirken ohne „innere Umkehrprozesse“ und wechselseitige Anerkennung (Peter Hünermann) noch auf keiner ausreichenden Basis steht.

Der Festvortrag des Bonner Völkerrechtlers Matthias Herdegen fokussierte dann vor allem die politischen und juristischen Aspekte von Modellen der „Global Governance“. Seine Thesen kreisten um die bleibende Bedeutung einer nationalen Souveränität als durch die Anerkennung der Menschenrechte legitimierter, verantwortlicher Souveränität. In der Finanzkrise habe sich der Staat „in seiner internationalen Vernetzung“ als Fels in der Brandung wieder neu legitimiert. Die Grundlage für eine gelingende „Global Governance“ sei die Globalisierung rechtsstaatlicher Prinzipien. Die herrschende Asymmetrie des „Weltdirektoriums“ UN-Sicherheitsrat müsse aber in Richtung auf eine treuhänderische Durchsetzung dieser Prinzipien umgestaltet werden.

Das geistliche Programm der Akademie fand in einer „Begegnung im Gebet“ einen ersten Höhepunkt. Vertreter verschiedener christlicher Konfessionen, des Hinduismus und des Islam sprachen Texte und Gebete, die das Vertrauen auf die Macht und Güte Gottes zum Ausdruck brachten. Im Internationalen Festgottesdienst appellierte der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für den KAAD, Weihbischof Paul Wehrle, Freiburg, an die Ausstrahlungskraft der Christen und christlichen Gemeinschaften, die die Früchte des Geistes hervorbringen, indem sie „einander gerecht werden“. So habe Religion auch einen legitimen Öffentlichkeitsanspruch.

Gottesdienste, Konzert und Folkloreabend wurden von der Fachgruppe „Musik“ des KAAD glänzend mitgestaltet. Die Fachgruppen „Religion im Dialog“ und „Wasser“ trafen sich am Sonntag noch zu einem Austausch über ihre laufenden wissenschaftlichen Projekte.
Ein besonderer Höhepunkt war in diesem Jahr die Ausstellung des äthiopischen Malers Nigatu Tsehay Molla, der aus der Tradition der äthiopisch-orthodoxen Kirche kommend eine expressive, von Musik inspirierte Farbensprache mit figurativen Anklängen an die afrikanische Wirklichkeit verbindet.

KAAD-Alumni heute

Daoud Nassar (Palästina)
Der Tourismusexperte und Betriebswirt Daoud Nassar, ein palästinensischer Christ, kämpft höchst kreativ und mit unendlicher Geduld für den Frieden im Nahen Osten – doch sein Projekt „Tent of Nations“ ist ständiger Bedrohung ausgesetzt.


