KAAD-Jahresakademie 2012: Lebens-Führung in einer Weltgesellschaft erfolgreich beendet

Die 26. Jahresakademie vom 26. – 29. April 2012 führte in Bonn 216 Stipendiaten/innen und 71 Gäste aus 50 Ländern zusammen. Unser früherer Präsident, Prof. Dr. Josef Reiter, wurde in diesem Rahmen mit der Bonifatiusplakette der Deutschen Bischofskonferenz geehrt.

Überreichung der Bonifatiusplakette an Prof. Reiter durch Bischof Mussinghoff (l.) und Weihbischof Wehrle (r.)

Im Vorfeld des „Erdgipfels“ („Rio + 20“) im Juni 2012 stellte die Akademie das Thema Lebens-Führung in einer Weltgesellschaft mit dem besonderen Akzent auf der Aktualität der Tugenden als Grundhaltungen angesichts notwendiger Transformationen in den Mittelpunkt.

Die Suche nach einer nachhaltigen Energiewirtschaft und einem globalen Ressourcenmanagement, nach einer Bewahrung der Schöpfung, die allen Menschen eine gemeinsame Zukunft und ein würdiges Leben ermöglichen soll, evoziert nämlich grundlegende Fragen nach Maß und Gerechtigkeit auf der Ebene der Weltgesellschaft und stellt insbesondere den Lebensstil der reichen Länder, die aufgrund der größeren Kapazitäten auch die größere Verantwortung tragen, wie auch die Dynamik der Schwellenländer und deren aufsteigender Mittelschichten auf den Prüfstand.


Bereits bei der Eröffnung der Akademie wies der neue Präsident des KAAD, Prof. Dr. Albert Franz (TU Dresden), auf das Potenzial hin, das in den „Kardinaltugenden“ Mäßigung/Besonnenheit, Tapferkeit/Großmut, Gerechtigkeit, Weisheit/Klugheit für das Profil der individuellen Lebensgestaltung von „Change Agents“, wie es die Stipendiaten/innen auch sein sollen, liegt. Sie waren Leitbegriffe für die Foren der Akademie (vgl. das vollständige Programm).


Die Frage der Grundhaltungen für einen ethischen Lebensentwurf wurde aber in den Diskussionen immer parallel zur Suche der Menschen nach „Glück“ thematisiert, das „Sollen“ also immer mit dem „Wollen“ in Verbindung gebracht (so Prof. Dr. Markus Vogt, LMU München in der zentralen Podiumsdiskussion). Die Grenzsituation des Wachstums angesichts des Klimawandels bedürfe, so Prof. Dr. Dirk Messner (Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik) eines globalen neuen „Gesellschaftsvertrages“, zu dem auch die Frage nach einem „globalen Narrativ des Glücks“ gehöre. Dass dies mehr bedeutet, als die gängigen Wohlstandsindikatoren erfassen, wurde an der immer wieder angemahnten Kontextualisierung der Wachstums-/Wohlstands-problematik vor dem Hintergrund differenter kultureller Traditionen und Leitbilder deutlich. Der im Prinzip notwendige „Egalitarismus“ im Blick auf globale Verteilungsgerechtigkeit (z. B. bei den Emissionsrechten) bedarf einer Vertiefung im Resonanzraum des interkulturellen Dialogs, bei dem die Weltreligionen und ihre „Kosmologien“ (Schöpfungsbegriffe) als Quellen und Grund für ethische Lebensführung eine - bisher in internationalen Konferenzen noch unterschätzte - wichtige Rolle spielen (sollten).

Podiumsdiskussion mit Prof. Messner und Prof. Vogt

Ehrungen für Prof. Reiter und Stephanus Mulyadi

Im feierlichen Rahmen einer Internationalen Soirée, musikalisch gestaltet von den Musikerstipendiatinnen, überreichte Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff (Aachen) als Vorsitzender der Kommission für Wissenschaft und Kultur Prof. Dr. Josef Reiter die Bonifatiusplakette der Bischofskonferenz für seine Verdienste als Präsident des KAAD (2003-2011) und als langjähriger Berater der Bischöfe.

Preisträger Stephanus Mulyadi (2.v.r.) mit den früheren KAAD-Präsidenten Prof. Reiter (l.) und Prof Hünermann (r.), sowie dem aktuellen Präsidenten Prof. Franz (2.v.l.).

Erstmals wurde im Rahmen der Soirée auch der Preis der „KAAD-Stiftung Peter Hünermann“ verliehen. Ihn erhielt der indonesische Alumnus Stephanus Mulyadi für herausragendes Engagement im Dienst an Kirche und armer Landbevölkerung seines Heimatlandes. Der auf der Akademie vorgestellte Jahresbericht 2011 berichtet über seine Projekte genauso wie über den Präsidentenwechsel im KAAD ausführlich (Kapitel 1).

Interessierte Beteiligung der Stipendiaten an der Podiumsdiskussion

Die Jahresakademie war von einer großen Partizipation der Stipendiaten/innen geprägt. In Regionalgruppen wurden auch Projekte der Stipendiaten und Alumni vorgestellt. Das Konzert und die liturgischen Teile waren von den Musikerstipendiatinnen vorbereitet worden, die Darbietungen des internationalen Folkloreabends mobilisierten alle Teilnehmer. In einer Begegnung im Gebet wurden Gebete und Lesungen aus den großen Weltreligionen gesprochen. Der Festgottesdienst mit Weihbischof Dr. Paul Wehrle, Freiburg, dem Bischöflichen Beauftragten für den KAAD, und dem neuen Präsidenten, Prof. Franz, bildete den österlich bewegten liturgischen Höhepunkt der Akademie, bei dem Wehrle in seiner Predigt Führen/Geführt-Werden in der „Wegspur“ Jesu in den Mittelpunkt stellte.

Konzertabend

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KAAD-Alumni heute


Stephen Nana Ato Arthur (Ghana)

Stephen Nana Ato Arthur, geb. 1961, war zweimal Stipendiat des KAAD. Zwischen den beiden Stipendien lagen nicht nur 12 Jahre, sondern auch eine steile politische Karriere mit einem vorläufigen Höhepunkt: Am 08.12.2012 erreichte den KAAD die Nachricht, dass er als Kandidat für das Parlament in seinem heimatlichen Wahlkreis Komenda-Edina-Eguafo-Abrem (KEEA) gewonnen hat und somit als erster KAAD Alumnus in ein nationales Parlament eines afrikanischen Landes einzieht.

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