KAAD-Jahresakademie 2015 „Global Student“? – Bildungsmigration als Herausforderung für Universität und Kirche

Die 29. Jahresakademie vom 23. – 26. April 2015 führte in Bonn 222 Stipendiaten/innen und 68 Gäste aus 50 Ländern zusammen zu einer Debatte um die Internationalisierung im Hochschulbereich als Chance für interkulturelle Verständigung und Friedensarbeit jenseits ökonomischer Aspekte des globalen „Bildungsmarktes“. Zum vierten Male wurde auch der Preis der KAAD-Stiftung im Rahmen einer Konzert-Soirée vergeben.

Unter dem Motto „Global Student“ - letztlich verstanden als mögliche Herausbildung eines „globalen“ bzw. „transnationalen“ Typus von Studierenden, Lehrenden und der Institution Universität selbst - wurde die stetig wachsende Bildungsmigration im Rahmen der globalen Migrations- und Fachkräfteproblematik analysiert, insbesondere aufgrund der verstärkten Präsenz der Schwellenländer. Sie zeigte sich als Herausforderung für den Bildungsanspruch der sich internationalisierenden Universitäten, aber auch für die Kirche in ihrer Pastoral-, Bildungs- und Entwicklungsarbeit. Zeichnet sich ein Sinn dieser Form der Globalisierung über den wirtschaftlichen Nutzen hinaus in einem Beitrag zu Gerechtigkeit und Frieden in der Welt ab? Wie können Universitäten Werkstätten des Friedens und Labore „globalen Lernens“ und (welt-)bürgerschaftlichen Engagements sein?


Das zentrale Podium fragte in diesem Horizont nach (kultur-)politischen Chancen der Internationalisierung. Der Soziologe Dr. Uwe Hunger unterzog einleitend Konzepte von „international students“ als „perfect migrants“, die (mit wechselnden Akzenten) auch die Bundesregierungen beeinflusst haben, einer kritischen Reflexion. Das (qualitative) Niveau der Internationalisierung an deutschen Hochschulen wurde angesichts der hochgesteckten Ziele der Politik vom internationalen Publikum genauso wie von Thomas Böhm (HRK) und Dr. Claudia Lücking-Michel MdB als heterogen und ausbaubedürftig charakterisiert. Gleichwohl wurden positive Beispiele von Studiengängen („Global studies“, Statement Adrian Beling), Universitäten und Organisationen (wie des KAAD) gewürdigt. Ein Plädoyer für ein Auslandsstudium als bereichernde kulturelle „Differenzerfahrung“ sowie für eine Vielfalt auch der Hochschulsysteme war einhellig. Lücking-Michel betonte besonders die Chancen der Ausstrahlung einer werteorientierten Internationalisierung in die (deutsche) Gesellschaft hinein.

Die Foren (vgl. das Programm) und deren gemeinsames Podium thematisierten Einzelaspekte der Bildungsmigration im Horizont der Globalisierung, so die Rolle der Mittelschichten, die Sogwirkungen des internationalen Arbeitsmarktes auch auf Bildungskonzepte, –systeme und Erwartungen an „global students“, die oft limitierenden Faktoren für diese als „change agents“ in ihren Heimatländern, sinnvolle Formen der Verbindung von „realer“ und virtueller Bildung, die Sprachenpolitik der Universitäten und Stipendienwerke sowie den interreligiösen Dialog.


Die Kirche als weltweite Gemeinschaft und „universitas“ aus Tradition wirbt – sichtbar und dialogoffen zugleich -  in ihren eigenen Bildungseinrichtungen, in der Hochschulpastoral und in ihren Hilfswerken – wie dem KAAD – für eine „andere Seite“ der internationalen Bildungsmigration jenseits des „Bildungsmarktes“. Sie findet sich dabei als ein Akteur innerhalb wachsender „diversity“ auf dem „Campus“ wieder, wobei ein „Wettbewerb“ dort zunehmend auch zwischen verschiedenen Strömungen innerhalb der Weltreligionen spürbar wird.

Die wichtigsten Thesenpapiere und Präsentationen werden in Kürze auf dieser Homepage publiziert (Publikationen).

Die Jahresakademie als Fest: Preisverleihung, Musik und Liturgie

In einer bewegenden Feier wurde unserer Alumna Dr. Hiyam Marzouqa, Chefärztin des Caritas-Baby-Hospitals in Bethlehem, der diesjährige Preis der „KAAD-Stiftung Peter Hünermann“ vom Stifter überreicht. Dr. Christina Pfestroff, Referatsleiterin Nahost, würdigte ihre Lebensleistung für das Hospital nicht nur als wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung für die Bedürftigsten, sondern auch als grenzüberschreitendes Zeichen der Hoffnung auf Frieden (vgl. die Laudatio sowie die KNA-Meldung vom 27.04.2015). Marzouqa schilderte sehr eindrücklich unter dem Leitmotiv „Wir sind da“ (Motto der Klinik) ihre persönliche, vom Glauben getragene Motivation für ihre Mission in einem so schwierigen Umfeld.


Auf der Akademie wurden auch Simone Saure und Dr. Roman Radwanski nach jahrzehntelanger engagierter Arbeit im Afrika- bzw. Osteuropareferat des KAAD vom Präsidenten und von „ihren“ Stipendiaten während des Folkloreabends in den Ruhestand verabschiedet. Die Stipendiaten/innen prägten die Jahresakademie mit ihren Beiträgen auf allen Ebenen. Der rumänische Maler Sebastian Hosu zeigte einige seiner großformatigen, figurativen Werke, die in einer Vernissage vom Geistlichen Beitrat des KAAD, Prof. Dr. Ulrich Engel, erläutert wurden.


Die Konzert-Soirée und die liturgischen Teile waren von den Musikstipendiaten/innen vorbereitet worden. Der internationale Folkloreabend zeigte erneut, wie sehr die Jahresakademie ein „work in progress“ ist: erst an den Tagen der Akademie selbst gestalten sich Moderation und Präsentationen der fünf Kontinentalgruppen mit hohem kreativen und schauspielerischem Potenzial. Dies gilt auch für die Liturgien: In einer Begegnung im Gebet wurden Gebete und Lesungen aus den großen Weltreligionen gesprochen. Im Festgottesdienst predigte der Bischöfliche Beauftragte für den KAAD, Weihbischof Wilfried Theising (Münster) über den persönlichen und interkulturellen „Austausch“ im Horizont der unbedingten Liebe Gottes.


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Marcela Bustamante Torres (Kolumbien)

Marcela Bustamante hat in ihrer Heimatstadt Bogotá Jura studiert und vor dem Studienaufenthalt in Deutschland als Anwältin gearbeitet. Von 2006 bis 2008 absolvierte sie mit Unterstützung des KAAD das Masterprogramm „Interdisziplinäre Lateinamerikastudien“ an der Freien Universität Berlin. Nach beruflichen Tätigkeiten in Washington D.C. und Lima (Peru) kehrte sie 2012 nach Bogotá zurück, wo sie heute für die „Defensoría del Pueblo de Colombia“ tätig ist – eine staatliche, jedoch autonom arbeitende Institution zur Verteidigung und Verbreitung der Menschenrechte.

Darüber hinaus gehört sie zu den Organisatoren des für Februar 2016 geplanten Kongresses „Paz Reconciliación y Justicia Tradicional“ an der Pontificia Universidad Javeriana in Bogotá. Am Rande der Veranstaltung soll nach Wünschen unserer Alumni auch ein KAAD-Netzwerk von Juristen und Politikwissenschaftlern aus Lateinamerika gegründet werden.

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