Menschenrechte und Persönlichkeitsrechte – Schlüsselthemen für KAAD-Europaseminar

Was auf kontinentaler Ebene in der Europäischen Menschenrechtskonvention festgelegt wurde, wurde von Stipendiaten des KAAD auf globaler Ebene diskutiert.

Es ist schon eine gute und bewährte Tradition, dass der KAAD eines seiner Seminare im Jahresprogramm am Sitz des Europäischen Parlaments abhält. So war auch dieses Jahr im Februar wieder Straßburg der Tagungsort des KAAD-Europaseminars. Eine Gruppe von 28 Stipendiaten aus 23 Ländern tagte zum Thema „der gläserne Mensch und das Recht auf Datenschutz“.

Hier geht es zum Programm der Veranstaltung.


Dabei wurde deutlich, dass es enge Zusammenhänge gibt zwischen den Menschenrechten auf Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung und dem Persönlichkeitsrecht auf Privatsphäre, das durch fortschreitende technische Möglichkeiten immer mehr bedroht ist.

Beim Tagungsprogramm im Straßburger Centre Culturel Saint Thomas sprach Rechtsanwalt Levent Ferik von der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit e.V. (GDD) über Datenschutz in europäischer und globaler Perspektive. Der Philosoph und Technik-Ethiker Dr. Michael Nagenborg vom Tübinger Zentrum für Ethik in den Wissenschaften beleuchtete das Thema „gläserner Mensch“ in Hinblick auf Sicherheitsethik und die fortschreitenden technischen Möglichkeiten der Überwachung. Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe an der Universität Freiburg referierte über ethische Aspekte von Gendiagnostik und prädiktiver Medizin. Dabei konnte er auch auf die sehr aktuelle Debatte um die Präimplantationsdiagnostik (PID) eingehen, die auch im Ethikrat kontrovers geführt wird, bei dem Prof. Schockenhoff stellvertretender Vorsitzender ist. Als abschließender Referent trat Sven Braun vom Verein Entropia e.V. in Karlruhe auf und diskutierte mit den Teilnehmern über Netzpolitik und Persönlichkeitsschutz. Dadurch wurde das Thema „gläserner Mensch“ noch einmal in Bezug auf das Internet fokussiert, ein Zusammenhang, der während des ganzen Seminars immer wieder zur Sprache kam.

In den Diskussionen zwischen Referenten und Stipendiaten wurde deutlich, dass die behandelten Probleme des Datenschutzes und der Überwachung zwar in den hochtechnologisierten Gesellschaften Europas eine besondere Relevanz haben, dass die enormen Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie aber auch die Entwicklungsländer sehr stark betreffen. Nie war es so einfach, Daten und Persönlichkeitsprofile zu speichern und zu verarbeiten. Gerade in autokratischen oder semi-demokratischen Staatssystemen spielt die Kontrolle des Internets und die Überwachung der Bürger eine wachsende Rolle, wie am Beispiel Tunesiens und anderer nordafrikanischer Staaten im Umbruch offensichtlich wurde.

Neben dem Seminarprogramm ist ein intensives Exposure-Programm konstitutiv für das KAAD Europaseminar. Den Anfang machte dabei ein Besuch des Rheinufers in Kehl, der deutschen Stadt, die durch direkte Nachbarschaft zu Straßburg auf eine sehr wechselhafte Geschichte blickt und die nun im östlichen Teil eines „Gartens der Zwei Ufer“ Symbole der Versöhnung und Einheit pflegt. Stadtpfarrer Thomas Braunstein führte die Gruppe zu diesen Symbolen, die in der „Passerelle de deux Rives“ gipfeln, einer architektonisch beeindruckenden Fußgängerbrücke über den Rhein.


Der Besuch der Stadt Straßburg beinhaltete eine Führung durch das berühmte Straßburger Münster und eine Schiffstour auf der Ill, die die geschichtsträchtige Stadt vom Wasser aus erschloss.

Zentral für das Europaseminar war auch dieses Mal der Besuch der europäischen Institutionen in Straßburg: Im Europaparlament beeindruckte nicht nur die imposante Architektur, sondern auch die Art und Weise, wie der Leiter des Besuchsprogramms, Otmar Philipp, die jüngsten Debatten und Beschlüsse des Parlaments mit dem Thema des Seminars verknüpfte. Einen abschließenden Höhepunkt fand das Programm dann im Besuch des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der unzählige Fragen und Anregungen „produzierte“ und die Stipendiaten wiederum dazu anregte, die Situation in ihren Heimatländern mit in die Diskussion einzubringen. Die neue deutsche Richterin und ehemalige KAAD-Vertrauensdozentin (Köln), Prof. Dr. Barbara Nußberger, war dafür die bestmögliche und interessanteste Gesprächspartnerin.


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KAAD-Alumni heute


Dominic Ko Ko Lwin (Myanmar)

Als der Zyklon Nargis im April 2008 auf Myanmar traf und dort mit über 84.000 Toten und Hunderttausenden Obdachlosen eine humanitäre Katastrophe hinterließ, war es unter anderem Dominic Ko Ko Lwin, KAAD-Alumnus, der eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau spielte. In seiner Tätigkeit als Programmkoordinator für die Caritas Pathein war er laut Caritas Direktor Father Henry Eikhlein „von größter Bedeutung für den Erfolg des Rehabilitationsprojekts“.

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