Daoud Nassar (Palästina)

1997 kam der Betriebswirt Daoud Nassar mit einem Stipendium des KAAD nach Deutschland, um an der Universität Bielefeld ein Aufbaustudium in Tourismus­wissenschaft zu absolvieren, da der Tourismus in Palästina zwar ein großes entwicklungspolitisches Potential hatte, es jedoch an qualifizierten Fachleuten hierfür mangelte. Zuvor war Daoud Nassar bereits als Angestellter des Internationalen Begegnungszentrums Bethlehem mit der Erarbeitung alternativer Tourismus­konzepte betraut gewesen.

Doud Nassar und seine Familie haben die ganze Last des Nahost-Konfliktes bereits lange vorher zu spüren bekommen und gingen dabei einen eher ungewöhnlichen Weg: Seit fast 20 Jahren kämpfen sie mit friedlichen Mitteln gegen die Besetzung ihres Farmlandes durch Israel. Die christliche Familie scheute keine Kosten um legal zu ihrem Recht zu kommen und ließ sich im Laufe der Zeit auch nicht radikalisieren. Unter der Leitung von Daoud Nassar verteidigt sie nun nicht nur ihr Recht, sondern gibt ein leuchtendes Beispiel engagierter Friedensarbeit: Das Friedensprojekt „Tent of Nations“, gegründet und geleitet von Daoud Nassar auf dem umstrittenen Familienland, steht unter dem Motto: „Wir weigern uns, Feinde zu sein“. Regionale wie internationale Gruppen sind zu Verständigung, Versöhnung und Annäherung eingeladen; das Angebot ist vielfältig: Sommercamps für Kinder aus Bethlehem, Computer-, Englisch-, Landwirtschafts- und Gesundheitskurse für Frauen, gemeinschaftliche Baumpflanz- und Ernteaktionen stehen auf dem Programm. Im Jahr 2009 kamen 4000 Besucher aus Israel, Palästina und aller Welt.

Schon während seiner Zeit in Deutschland hat Daoud Nassar den Grundstein für eine zunächst bilaterale Zusammenarbeit gelegt, indem er in zahlreichen Städten, aber auch auf der Internationalen Tourismusbörse über die Situation in seiner Heimat informierte und ein „Kontaktnetz Palästina“ initiierte. Mittlerweile verfügt das im Jahr 2000 gegründete Projekt „Tent of Nations“ über ein internationales Kontaktnetzwerk und große Anerkennung: Daoud Nassar wurde 2007 mit dem Michael-Sattler-Friedenspreis und mit dem Human Rights Award der Vereinten Nationen ausgezeichnet.

Trotz der internationalen Anerkennung ist das „Tent of Natios“ erneut in Gefahr und droht, in Teilen abgerissen zu werden. Da für das Bauen auf dem Land im Westjordanland eine für Palästinenser unzugängliche Baugenehmigung erforderlich ist, behalfen sich die Nassars und ihre vielen freiwilligen Helfer – auch deutsche Zivildienstleistende – mit Zelten und der Erschließung von Höhlen, die nun als Wohn- und Veranstaltungsräume sowie Kapelle dienen. Da die israelische Regierung den Zugang zu Strom und Wasser verweigert, wird Regenwasser in Zisternen gesammelt und Strom mit einem Dieselgenerator und einer Solaranlage erzeugt – Not macht erfinderisch.

Dem Abrissbefehl der „bebauten“ Teile des Areals – sanitäre Anlage und feste Dächer – will sich Daoud Nassar nicht beugen. Er wird weiterhin mit friedlichen Mitteln für ein friedliches Palästina kämpfen. Wir wünschen ihm dafür viel Kraft, Gottes Segen und viel Erfolg in seinem Engagenent.

www.tentofnations.org


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Daoud Nassar (Palästina)

Der Tourismusexperte und Betriebswirt Daoud Nassar, ein palästinensischer Christ, kämpft höchst kreativ und mit unendlicher Geduld für den Frieden im Nahen Osten – doch sein Projekt „Tent of Nations“ ist ständiger Bedrohung ausgesetzt.

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